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Faulbaum
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Faulbaum
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Zweig mit noch unreifen Früchten

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae)
Gattung: Kreuzdorn (Rhamnus)
Art: Faulbaum
Wissenschaftlicher Name
Rhamnus frangula
L.

Der Faulbaum (Rhamnus frangula L., Syn.: Frangula alnus Mill.), genauer Echter Faulbaum genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae). Sie ist von Europa bis Westsibirien und in Marokko weitverbreitet. Der Name Faulbaum geht auf den leichten Fäulnisgeruch der Rinde zurück. Die Rinde wird medizinisch als Abführmittel verwendet, die aus dem Faulbaum gewonnene Holzkohle wurde früher für die Herstellung von Schwarzpulver verwendet.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Beschreibung und Ökologie
    • 1.1 Erscheinungsbild
    • 1.2 Wurzel
    • 1.3 Holz
    • 1.4 Blatt
    • 1.5 Blütenstand und Blüte
    • 1.6 Frucht
    • 1.7 Chromosomensatz
  • 2 Verbreitung und Standorte
  • 3 Systematik
  • 4 Mensch und Faulbaum
    • 4.1 Holzkohle
    • 4.2 Faulbaumrinde
    • 4.3 Giftigkeit
  • 5 Krankheiten
  • 6 Quellen
    • 6.1 Einzelnachweise
  • 7 Weblinks

Beschreibung und Ökologie

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Illustration
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Blattunterseite

Erscheinungsbild

Der Faulbaum ist ein mehrstämmiger, unregelmäßig verzweigter Strauch, der meist Wuchshöhen von 2 bis 4 Metern erreicht. Die Stämmchen weisen einen Durchmesser von etwa 5 Zentimetern auf. Besonders auf nassen Standorten wächst er vielstämmig. Selten wächst er als kleiner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 8 Metern und dann Brusthöhendurchmesser von höchstens 15 Zentimetern erreicht. Junge Sträucher sind schnellwüchsig.[1]

Wurzel

Die Wurzeln sind zunächst rötlich-gelb und werden später rot; bei Trocknung werden sie rotbraun. Sie bilden eine endotrophe Mykorrhiza. Auf vernässten Standorten ist das Wurzelsystem ausgesprochen flach.[1]

Holz

Das Holz ist halbringporig. Das Splintholz ist gelblich-weiß, das Kernholz gelbrot bis rot. Die Rohdichte beträgt 0,56 bis 0,6 g/cm3. Das Holz ist reich an Fasern. Die Holzstrahlen sind ein- bis dreireihig und 40 bis 50 Zellreihen hoch. Eine Borke wird nicht ausgebildet. Einzelne Literaturberichte sprechen von einer dunkelgrauen, schwach rissigen Borke bei dickeren Stämmen. Die Rinde ist rund 3,5 mm dick. Das Rindenparenchym bildet manchmal schmale, unregelmäßige Bänder. Sklereiden werden nicht gebildet. Siebröhren verlieren ihre Funktion im zweiten Jahr.[1]

Blatt

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 6 bis 14 Millimeter lang. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 40 bis 70 Millimetern sowie einer Breite von 25 bis 50 Millimetern oval bis eiförmig. Der Spreitengrund ist abgerundet. Die Spreitenspitze ist abgerundet bis kurz zugespitzt. Der Blattrand ist meist ganzrandig, selten undeutlich gezähnt. Beide Blattseiten sind kahl und gleich hellgrün gefärbt. Die Blattspreite besitzt sieben bis neun kräftige Blattadern-Paare, die bogig gekrümmt und parallel und an der Oberseite eingesenkt sind, während sie an der Unterseite deutlich hervorstehen. Im Herbst verfärben sich die Laubblätter gelb.[1] Die Blätter sind die wohl wichtigste Raupennahrung der Zitronenfalter.

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Zweig mit Blüten
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Blütendiagramm
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Längsschnitt durch mehrkernige Steinfrucht
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belaubtes Faulbaum-Geäst mit noch unreifen Früchten

Blütenstand und Blüte

Zwei bis zehn Blüten stehen in einem seitenständigen trugdoldigen Blütenstand zusammen.

Die zwittrigen, grünlich-weißen, fünfzähligen Blüten sind mit einer Größe von 6 bis 12 Millimetern relativ klein und unscheinbar. Die Blütenachse ist napfförmig und von einem Diskus ausgekleidet, das als Nektarium fungiert. Die fünf weißen Kelchblätter sind dreieckig und länger als die fünf weißen, schwach zweispaltigen Kronblätter. Die Staubblätter sind kurz und werden von je einem Kronblatt kapuzenartig umhüllt. Die Staubfäden sind kurz und die Staubbeutel relativ groß. Die Narbe ist dreiteilig.[1]

Die Blütezeit reicht von Ende Mai/Anfang Juni bis in den September. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen, Hummeln, Schlupfwespen und Käfer.[1]

Frucht

Die bei einem Durchmesser von etwa 8 Millimetern kugeligen Steinfrüchte enthalten zwei bis drei Kerne. Die zunächst grünen Steinfrüchte färben sich ab Juli rot und werden zur Reife ab Mitte August dann schwarz. Wegen der langen Blütezeit trägt ein Strauch meist gleichzeitig grüne, rote und schwarze Früchte. Die Früchte fallen zwischen September und Dezember ab; dadurch gibt es unter einem Strauch reichlich Verjüngung. Die Fernausbreitung erfolgt durch Vögel wie Wacholderdrosseln, Misteldrosseln und Fasane.[1]

Chromosomensatz

Die Chromosomenzahl ist 2n = 20[2], seltener 22 oder 26.[1]

Verbreitung und Standorte

Der Faulbaum ist in Europa weitverbreitet. Er fehlt im Süden der Balkanhalbinsel, auf Sizilien, Sardinien und Korsika sowie den südöstlichen Teilen der Iberischen Halbinsel ebenso wie in den nördlichen Teilen Skandinaviens und in Schottland. In Irland ist er selten, in England und Wales hingegen häufig. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Ural und Westsibirien. Vorkommen gibt es auch im Kaukasus und in Anatolien. In Nordafrika gibt es Vorkommen in Marokko. Im östlichen Nordamerika ist der Faulbaum ein Neophyt.[1]

Der Faulbaum bevorzugt subkontinentale bis subozeanische Klimaverhältnisse. Er wächst vorwiegend auf frischen, wechselfeuchten und feuchten Böden, meidet aber Staunässe. Die Art liebt tiefgründige saure Lehm-, Sand- und Tonböden. Obwohl sie häufig in Erlenbrüchen, in Birkenmooren und in Auwäldern wächst, gedeiht sie auch auf trockeneren Standorten. Gegenüber pH-Wert und Lichtverhältnissen ist der Faulbaum indifferent. Er ist eine schwache Charakterart der Ordnung Alnetalia, kommt aber auch in Gesellschaften der Ordnungen Prunetalia, Fagetalia, Quercetalia roboris, in denen der Klasse Vaccinio-Piceetea oder des Verbands Erico-Pinion vor.[3] In den Alpen kann der Faulbaum bis in Höhenlagen von 1500 Meter vorkommen, in Anatolien „steigt“ er bis 1700 Meter.[1] In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern am Zipfelschrofen oberhalb Hinterstein bis zu einer Höhenlage von 1130 Metern auf.[4]

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte unter dem Namen (Basionym) Rhamnus frangula durch Carl von Linné. Ein weiteres Synonym für Frangula alnus Mill. ist Frangula dodonei Ard. nom. inval.[5] Je nach verwendeter Systematik wird die Art auch in die Gattung Rhamnus gestellt und trägt dann den Namen Rhamnus frangula L.

Man kann folgende Unterarten unterscheiden:

  • Frangula alnus Mill. subsp. alnus
  • Frangula alnus subsp. baetica (Willk. & E. Rev.) Devesa (Syn.: Rhamnus baetica Willk. & E. Rev.): Sie kommt nur in Spanien vor.[6]
  • Frangula alnus subsp. pontica (Boiss.) P. H. Davis & Yalt. (Syn.: Rhamnus pontica Boiss.): Sie kommt in der Türkei und im Gebiet von Syrien und Libanon vor.[6]
  • Frangula alnus subsp. saxatilis Gancev: Sie kommt nur in Bulgarien vor.[6]

Mensch und Faulbaum

Holzkohle

Das Holz des Faulbaums ergibt eine hochwertige Holzkohle mit geringem Ascheanteil. Diese war besonders in der Vergangenheit begehrt zur Herstellung von Schwarzpulver. Auf diese Nutzung geht auch der Trivialname „Pulverholz“ für die Art zurück.[1]

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Faulbaum in Form der Rindendroge (Frangulae cortex)
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Puccinia coronata auf der Blattunterseite

Faulbaumrinde

Die getrocknete Rinde der Stämme und Zweige wird als Faulbaumrinde (Frangulae cortex) pharmazeutisch genutzt. Die Rindendroge dient als dickdarmwirksames Abführmittel zur kurzzeitigen Behandlung von Verstopfung. Dazu wird die Rinde von den Stämmen und Ästen geschält und entweder an der Sonne getrocknet und danach ein Jahr gelagert oder bei höheren Temperaturen (80 bis 100 °C) künstlich gealtert. Die Droge muss mindestens sieben Prozent Glucofranguline, berechnet als Glucofrangulin A, enthalten, um den Anforderungen des Europäischen Arzneibuches zu genügen.[7]

An Inhaltsstoffen enthält die Droge die Anthrachinon-Derivate Glucofrangulin A und B, Frangulin A und B, verschiedene Frangulaemodinglykoside wie Frangulaeemodin-8-O-β-D-glucosid sowie wenige freie Aglykone. Weiters sind Gerbstoffe und Peptidalkaloide enthalten.[7]

In der Droge liegen diese Substanzen – im Gegensatz zu anderen Anthranoiddrogen – überwiegend in der oxidierten Anthrachinon-Form vor. Sie sind weniger stark antiabsorptiv und sekretagog (verhindern weniger die Aufnahme von Wasser und Ionen aus dem Darmlumen und fördern weniger die Abgabe von Wasser und Ionen in das Darmlumen). Daraus ergibt sich die mildere Wirkung der Faulbaumrinde.[7]

Die geschnittene Droge wird als Teeaufguss (Infus) verabreicht. Faulbaumrinde ist in vielen industriellen Tees enthalten. Daneben wird der Faulbaumrindentrockenextrakt (Frangulae corticis extractum siccum normatum) mit 15,0 bis 30,0 Prozent Glucofrangulinen in Kombinationspräparaten in Form von Dragees oder Tabletten eingesetzt.[7]

Giftigkeit

Beeren, Blätter und frische Rinde sind als giftig eingestuft. Faulbäume werden deshalb nicht vom Wild verbissen, wohl aber gefegt. Vergiftungen gelten als selten. Sie treten nach Verzehren der Früchte durch Kinder oder durch Verwendung großer Mengen frischer Rinde als Abführmittel auf. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Leibschmerzen bis hin zu wässrigem und blutigem Durchfall.[8]

Krankheiten

Der Faulbaum wird vom Rostpilz Puccinia coronata var. coronata mit Spermogonien und Aecidien befallen.[9]

Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k Peter Schütt, Ulla M. Lang: Rhamnus frangula. In: Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Ulla Lang, Bernd Stimm, Andreas Roloff: Enzyklopädie der Sträucher. Nikol, Hamburg 2006, ISBN 3-937872-40-X, S. 247–253.
  2. Frangula alnus bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 652–653.
  4. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, Seite 213. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  5. M. Thulin, C. Jarvis, B. Jonsell, S. Ryman: The status of "Frangula dodonei" (Rhamnaceae). In: Taxon, Volume 58, Issue 3, 2009, S. 991-992. abstract.
  6. a b c T. Henning, E. von Raab-Straube (2016): Rhamnaceae.: Datenblatt Frangula alnus, In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  7. a b c d Rudolf Hänsel, Otto Sticher (Hrsg.): Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 1193 f.
  8. Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage, Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994), S. 355 f.
  9. Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).

Weblinks

Bild anzeigen Commons: Echter Faulbaum (Frangula alnus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Faulbaum. In: FloraWeb.de.
  • Faulbaum. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  • Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  • Frangula alnus Mill. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 6. Dezember 2015.
  • Verbreitung auf der Nordhalbkugel bei Den virtuella Floran.
  • Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
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